Cars, Design und Aeronautik

Raketenfahrzeug mit Pioniergeist

1928 baute Fritz von Opel ein raketengetriebenes Rekordauto – den Rak 2. Der Wagen besass ein zigarrenförmiges Profil und gestutzte Flügel und wurde nach den Gesetzen der Aerodynamik entwickelt – einer neuen Wissenschaft, die Zeppelin für seine Luftschiffe einsetzte, aber im damaligen Automobilbau kaum Beachtung fand. Am Steuer dieses Flugzeug- Auto-Hybriden erreichte Fritz 230 km/h und brach damit alle Geschwindigkeitsrekorde!

1928 – Opel Rak 2

1928 – Opel Rak 2

Aeronautik im Blut

In den 30er Jahren kannte die Begeisterung der Autoindustrie für die Aerodynamik keine Grenzen mehr, doch der Krieg setzte dem ein jähes Ende. Saab war eine Ausnahme. Die Firma wurde 1937 gegründet, um Flugzeuge zu bauen. Als das Unternehmen sich 1946 entschied, auch Autos zu produzieren, blieb es dennoch in gewisser Weise seinen Wurzeln treu: Der erste Wagen der Firma, der 92001, hatte unverkennbar„Aeronautik im Blut“.

1947 – Saab 92001 Prototype

1947 – Saab 92001 Prototype

Die ersten Heckflossen

Während des Zweiten Weltkriegs mussten viele Autodesigner in der Flugzeugindustrie arbeiten. Nach Kriegsende entwickelte Harley Earl, der Leiter von GM Design, in Anlehnung an das Design des Kampfjets P38 Lockheed Lightning eine neue Art von Heckflosse. Die Heckflossen debütierten am Cadillac Sixty Special und wurden später zu einem wichtigen Designelement der Marke Cadillac.

1948 – Cadillac Sixty Special

1948 – Cadillac Sixty Special

Jet-Inspiration!

Das Konzeptfahrzeug Buick LeSabre war 1950 das erste Auto, das im grossen Stil auf aeronautische Elemente setzte. Der Reaktormotor, der die Karosserie zu durchziehen schien, und viele Design- Feinheiten waren klare Anhaltspunkte dafür – genauso wie sein Name, der dem neuen F86-Sabre-Jet entlehnt war. Der LeSabre war sogar mit Flugzeugtechnologie ausgestattet: Unter anderem hatte er eine Magnesiumkarosserie und elektrisch beheizte Sitze.

1950 – Buick LeSabre Concept

1950 – Buick LeSabre Concept

Designkreuzungen überall

Nach dem Buick LeSabre wurde der Flugzeugbezug im Automobildesign zur Norm. Erst erschienen Panorama-Windschutzscheiben, dann ähnlich herumgezogene Heckscheiben. Ab 1955 hatten alle GMModelle Heckflossen. Die Frontpartien wurden runder, wie z.B. beim Konzeptfahrzeug Oldsmobile Golden Rocket: Die Nase des Autos erinnert an den Rumpf eines Propellerflugzeugs, das Heck gar an einen Düsenjet!

1956 – Oldsmobile Golden Rocket Concept

1956 – Oldsmobile Golden Rocket Concept

Futuristische Technologien

Bei den Konzeptfahrzeugen wurden Designelemente aus dem Flugzeugbau mit futuristischen Technologien kombiniert. Das Konzeptfahrzeug Firebird II war das erste Auto mit einer Karosserie aus Titan. Es diente als Vision eines Familienfahrzeugs der Zukunft und wurde von einer Gasturbine angetrieben. Das Auto war zudem mit einem elektromagnetischen Navigationssystem ausgerüstet, wodurch man es mithilfe einer Verkehrsleitzentrale per Autopilot fahren konnte. Ähnlich wie bei richtigen Flugzeugen!

1956 – GM Firebird II Concept

1956 – GM Firebird II Concept

Paradox und doch glamourös

Anders als bei den Konzeptfahrzeugen kombinierte man bei den Serienmodellen Ende der 50er Jahre aeronautische Elemente nicht mit Hightech-Lösungen, sondern mit Komfort und einem neuen, ästhetischen Design-Ansatz. Dieser war eher den Bereichen Inneneinrichtung und Mode entlehnt. Die Farbpalette wurde erweitert, und die jetartigen Heckflossen waren nun rosa, hellgrün oder zitronengelb. Eine recht paradoxe, aber doch glamouröse Kombination.

1958 – Chevrolet Impala

1958 – Chevrolet Impala

Das letzte Raketenauto

Das Konzeptfahrzeug Cyclone, mit seinem Anti-Kollisionsradar in den vorderen Spitzen, seinem Auspuff in den Seitendüsen und dem Vollglas-Cockpit, erinnerte an die abstrakte Schönheit einer Rakete. Die Umorientierung von der Aeronautik zur Astronautik war die letzte Phase einer Bewegung, die 1948 begann und 1959 ihr Ende fand. Das Konzeptfahrzeug Cyclone und der Cadillac Eldorado waren die letzten Raketenautos.

1959 – Cadillac Cyclone Concept

1959 – Cadillac Cyclone Concept

Kubist

Mit dem Konzeptfahrzeug Evoq stellte Cadillac 1999 seinen radikal neuen „Art-and-Science“- Designansatz vor, einer Synthese aus kubistischer Malerei und dem F117 Stealth, einem Tarnkappenflieger, der 1985 das Flugzeugdesign revolutionierte. Neben dem Konzeptfahrzeug Cien mit 750 PS wird dieser Ansatz, bei dem straffe Linien, geometrisch exakte Flächen und spitze Winkel vorherrschen, heute in allen Cadillac-Modellen angewandt.

2002 – Cadillac Cien Concept

2002 – Cadillac Cien Concept

Immer loyal

Saab ist seinen aeronautischen Wurzeln stets treu geblieben. Auch die Studie 9-X, die den neuen „multidynamischen“ Designansatz definierte, weist Flugzeugelemente auf. Es dominieren klare, übersichtliche Flächen. Auch die cockpitartige, herumgezogene Frontscheibe wurde beibehalten (ein Markenzeichen seit dem Saab 99 im Jahr 1968). Der Effekt wurde hier durch die durchgezogene Verglasung von B-Säule zu B-Säule noch verstärkt.

2001 – Saab 9X Concept

2001 – Saab 9X Concept

Futuristische Symbolik

Da das gesamte Brennstoffzellen- Antriebssystem des AUTOnomy in das skateboardartige Fahrgestell integriert werden konnte, mussten sich die Designer beim Entwurf der Karosserie an keinerlei Limits halten. Sie entschieden sich ganz bewusst dafür, die futuristische Technologie des AUTOnomy mit aeronautischen Elementen auszudrücken: mit glatten Flächen, einer abgerundeten Nase, einem Cockpit-Effekt und integrierten Flügeln …

2002 – GM AUTOnomy Concept

2002 – GM AUTOnomy Concept

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